Erfahrungsbericht aus dem Pilotprojekt „Krankenversicherung“

 

„Unsere Kinder sind die Zukunft“, sagt A., eine 30-jährigen Asylsuchende aus Eritrea, die Mutter von drei Kindern und Überlebende der Folter und des Menschenhandels auf dem Sinai ist. Sie erhält in Israel Unterstützung von ASSAF, der Partnerorganisation von Desert Rose e.V.

A. ist durch die Hölle gegangen. Sie wurde nach Ägypten in den Sinai verkauft, gefoltert und vergewaltigt. Die traumatischen Erlebnisse verfolgen sie bis zum heutigen Tag: sie kämpft mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), die sich durch das ständige Erinnern und Wiedererleben des Traumas, durch Albträume, mangelnde Selbstkontrolle und einer dauerhaften Anspannung äußert. Als ob der Kampf mit ihren psychischen Wunden nicht genug wäre, traten auch bei ihren Kindern zunehmend gesundheitliche Probleme auf.

Ihr ältester Sohn, der sechsjährige Y., klagte häufig über Zahnschmerzen. Zwei seiner Zähne sollten aufgrund einer Entzündung gezogen werden, doch A. konnte das Geld für die Kosten der Behandlung nicht aufbringen. Ihre vier Jahre alte Tochter J. litt unter einem deformierten Augenlid. In der Folge war eines ihrer Augenlider halb geschlossen. Zwar wurde sie inzwischen operiert, konnte sich jedoch lange nicht davon erholen, da ihre Eltern für eine angemessene Nachsorge nicht aufkommen konnten.

Die Situation spitzte sich weiter zu, als A.s zehn Monate alter Sohn N. nur sieben Wochen nach der Geburt ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Aufgrund einer Viruserkrankung litt er unter Atemproblemen, Durchfall und Gewichtsverlust. Das Krankenhaus übte großen Druck auf A. aus, die Krankenhauskosten schleunigst zu begleichen.

Es ist wohl wahr – Kinder sind zweifelsfrei unsere Zukunft. Aber wie soll eine fürsorgliche Betreuung der Kinder möglich sein, wenn selbst eine Routinebehandlung beim Arzt unerschwinglich ist? Obwohl Israel die Genfer Flüchtlingskonvention unterzeichnet hat, erhalten eritreische Schutzsuchende praktisch keine Chance auf Asyl. Israel stellt eritreische Asylsuchende zwar unter „Gruppenschutz“ und erkennt damit de facto die Gefahren im Heimatland an. Dennoch erhalten eritreische Asylbewerber trotz dieses Schutzstatus nur zeitlich begrenzte Dokumente, die ständig erneuert werden müssen und die lediglich eine erzwungene Abschiebung verhindern. Obwohl anerkannte Geflüchtete eigentlich Zugang zu sozialen Diensten einschließlich Gesundheits- und Wohlfahrtsleistungen haben sollten, garantieren die israelischen Behörden den Asylbewerber(inne)n kein Recht auf medizinische und soziale Dienstleistungen und überlassen sie dem Wohlwollen von Nichtregierungsorganisationen und freiwilligen Helfer(inne)n.

Aus diesem Grund können A. und ihre Familie keine Leistungen aus dem Gesundheitsbereich und keine medizinische Versorgung für ihre Kinder in Anspruch nehmen – mit Ausnahme von akuten Notfällen. Sie können sich keine private Krankenversicherung leisten.
A. beschreibt, wie schwierig diese Zeit war: „Ich war ständig besorgt, wenn ich zur Klinik musste. Ich machte mir Sorgen wegen der Höhe des Geldes, das sie verlangen würden. Ich wusste, dass ich nicht in der Lage sein würde, zu zahlen. Ich fühlte mich so hilflos und unfähig, weil ich der Verantwortung, für meine Kinder zu sorgen, nicht ausreichend gerecht werden kann.“

Glücklicherweise erhielten A. und ihre Familie durch das Projekt „Krankenversicherungen“ von Desert Rose e.V. Unterstützung. Durch Spenden konnten A. und ihr Ehemann eine Krankenversicherung für ihre drei Kinder für den Zeitraum eines Jahres abschließen.

Wir fragten A., inwiefern diese Unterstützung sich auf ihr Leben und das ihrer Kinder bislang auswirkte. Glücklich erklärt A., dass sie große Erleichterung verspürt, da sie nun in der Lage ist, jederzeit mit ihren Kindern zum Arzt zu gehen, wenn es nötig ist.

Sie geht regelmäßig zum Arzt und erhält Medikamente für ihre Kinder. Ihre kleine Tochter J. besucht zweimal im Monat einen Arzt, um ihre Augen behandeln zu lassen. Ihr jüngster Sohn N. erhält Medikamente und kann nun endlich wesentlich unbeschwerter atmen als zuvor. A. weiß die Hilfe sehr zu schätzen und bringt ihre Dankbarkeit gegenüber den Spendern wie folgt zum Ausdruck:

„Bevor ich eine Krankenversicherung hatte, war ich sehr besorgt um die Zukunft meiner Kinder. Seit dem Abschluss der Krankenversicherung haben sich meine Anspannung und meine Furcht gelegt, weil es offensichtlich ist, dass es meinen Kindern besser geht. Ich schätze es sehr, was Sie für meine Kinder getan haben. Sie haben ihnen das gegeben, was ich ihnen aus eigener Anstrengung heraus hier in Israel leider geben konnte.“

Asylsuchende in Israel erhalten keinen freien Zugang zur öffentlichen Gesundheitsversorgung. Dasselbe gilt für ihre Kinder, weil sich die Eltern in den allermeisten Fällen keine Krankenversicherung für die Kinder leisten können.

Für die Kinder von Folterüberlebenden aus dem Sinai ist dies besonders fatal. Ihre Eltern leiden häufig unter schweren Traumata, Depressionen, Schlaf- und Essstörungen. Einige der Kinder waren zusammen mit ihren Eltern in den Foltercamps, mussten zusehen, wie ihre Mütter und Väter vergewaltigt, misshandelt und gefoltert wurden. Manche Minderjährigen mussten selbst unvorstellbare Gewalt erleben.

Fallbeispiel: Das Schicksal der sechsjährigen S.

Das sechsjährige Mädchen S., das aus Eritrea kommt, wurde auf der Flucht gemeinsam mit seiner Mutter entführt und in ein Folterlager auf der Sinai-Halbinsel gebracht. Über vier Monate wurden die beiden in einem dunklen Keller festgehalten, die Mutter unzählige Male von verschiedenen Männern vergewaltigt, während S. anwesend war.

Seit S. und ihre Mutter vor vier Jahren nach Israel gekommen sind, leidet das Mädchen immer wieder an chronischen Erkrankungen. Weil sie keine Krankenversicherung hat, erhält sie weder medizinische noch psychologische Versorgung.

Eine Krankenversicherung öffnet die Tür zur Gesundheitsversorgung

Eine Krankenversicherung kostet in Israel 120 Shekel (etwa 30 Euro) pro Monat für ein Kind oder 240 Shekel (60 Euro) monatlich ab zwei oder mehr Kindern innerhalb einer Familie.

Da viele Folterüberlebende aufgrund ihrer Traumatisierung oder der körperlichen Verletzungen nicht in der Lage sind zu arbeiten bzw. auch gar keine offizielle Arbeitserlaubnis haben, übersteigen die Kosten bei weitem ihre Zahlungsfähigkeit.

Desert Rose e. V. setzt sich dafür ein, dass die Kinder von Folterüberlebenden eine Krankenversicherung und dadurch Zugang zum israelischen Gesundheitssystem erhalten.

Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation ASSAF (Aid Organisation for Refugees and Asylum Seekers in Israel) helfen wir Eltern, die Krankenversicherung ihrer Kinder für mindestens ein Jahr zu finanzieren. Unser langfristiges Ziel ist es, Familien darin zu unterstützen, die Versicherungskosten irgendwann wieder selbst tragen zu können. Außerdem setzt sich ASSAF auf politischer Ebene dafür ein, dass Kinder von Asylsuchenden in Israel grundlegende Rechte bekommen, zum Beispiel eine offizielle Anerkennung als Opfer von Menschenhandel (VOHT) oder Folter (VOT).

Die Kinder zweier Familien erhalten bereits Unterstützung

Aktuell unterstützt Desert Rose e.V. im Rahmen eines Pilotprojekts zwei Familien mit jeweils mehr als zwei Kindern bei der Finanzierung einer Krankenversicherung für ein Jahr. In halbjährlichen Reports erhält Desert Rose e.V. Infos über den Zustand der Familie bzw. den Kindern.

Allerdings betreut ASSAF derzeit mindestens zehn weitere Familien mit Kindern, die dringend auf dieses Krankenversicherungs-Programm angewiesen sind. Um auch diesen Kindern den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, brauchen wir jetzt Ihre Unterstützung.

Verhelfen Sie Kindern zu ihrem Recht auf medizinische Versorgung – Spenden Sie jetzt!

Kontoinhaber: Desert Rose e.V.
Bank: Sparkasse KölnBonn
IBAN: DE20 3705 0198 1932 0461 52
BIC : COLSDE33XXX
Kontonummer: 1932046152
BLZ: 37050198
Verwendungszweck: Krankenversicherung

Wenn Sie Ihre Spenden mit dem Stichwort „Krankenversicherung“ versehen, können wir sicherstellen, dass das Geld explizit für Kinder-Krankenversicherungen eingesetzt wird. Wenn Sie Fragen zu den Krankenversicherungen haben, können Sie jederzeit über contact@desertrose.info Kontakt zu uns oder auch zu unserer Partnerorganisation ASSAF (info@assaf.org.il) direkt aufnehmen.

Spenden Sie einen Teilbetrag oder übernehmen Sie eine „Versicherungs-Patenschaft“
Ihre Spende fließt direkt in das Projekt für die Kinderkrankenversicherung. Sobald ein Jahresbetrag von 814 Euro (720 Euro für die Versicherung zuzüglich 10% Kosten bei ASSAF für die Abwicklung des Programms) für die Versicherung gesammelt ist, übernehmen wir eine weitere Krankenversicherung für die (zwei oder mehr) Kinder einer Familie.

Wenn Sie den Versicherungsbetrag von 814 Euro (für ein Jahr) für eine Familie mit mindestens zwei Kindern komplett übernehmen wollen, können Sie das Geld ebenfalls einfach per Paypal spenden oder auch persönlich mit uns in Kontakt treten, so dass wir die nötigen Schritte schnellstmöglich in die Wege leiten können.

Unser Projektpartner ASSAF

Die Abwicklung des Projekts läuft über unsere Partnerorganisation ASSAF, die in Israel Opfer von Folter- und Menschenhandel unterstützt. ASSAF kümmert sich gemeinsam mit den Sinai-Überlebenden darum, die Versicherung ihrer Kinder bei einer Krankenkasse abzuschließen und verfolgt deren gesundheitliche Entwicklung über die Dauer des Projekts. Für jede durch Desert Rose e.V. unterstütze Familie informiert uns ASSAF regelmäßig über deren Entwicklung. Auf unserer Webseite informieren wir Sie über den Verlauf des Projekts und die Anzahl unterstützter Familien.

ASSAF setzt sich seit vielen Jahren für die Rechte von Asylsuchenden und ihrer Kinder in Israel ein. Für die Überlebenden von Folter und Menschenhandel hat ASSAF spezielle Hilfsprogramme entwickelt. Dazu gehört zum Beispiel auch eine „Gruppentherapie“ für einen besseren Umgang mit den erlebten Traumata. Für die Finanzierung der Krankenversicherungen fehlten unserem Projektpartner ASSAF bislang die Mittel. ASSAF hofft, mit der Unterstützung von Desert Rose e.V. und Ihren Spenden aus Deutschland, möglichst vielen Kindern, deren Eltern sich keine Krankenversicherung leisten können, Zugang zum israelischen Gesundheitssystem zu verschaffen!

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier:
Spenden können Sie direkt hier über den roten Donate-Button oder über den gelben Spenden-Button links oben. Vielen Dank!

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